Römischer Weinkelterfund an Nahe/Glan

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Römischer Weinkelterfund an Nahe/Glan

Der kürzlich entdeckte Fund einer römischen Weinkelter am Zusammenfluss von Nahe und Glan stellt aus weinkulturgeschichtlicher Sicht eine bemerkenswerte Sensation dar. In einem Gespräch mit Dr. Rudolf Nickenig, dem Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirates der Gesellschaft für Geschichte des Weines, erläutert Historiker und IGL-Ehrenvorsitzender Prof. Dr. Michael Matheus seine Einschätzung der Ausgrabung als römische Kelteranlage. Er spricht über die Herausforderungen bei der Erhaltung und Sicherung des Fundes sowie über die vielversprechenden Chancen für die Weinkultur und den Weintourismus.

Dieser römische Weinkelterfund, so Matheus, erhärtet die bisher nicht zu beweisende Vermutung, dass die Römer auch in der näheren Umgebung von Mainz, nicht nur im Rheintal, sondern auch an den Nebenflüssen Nahe und Glan Weinbau betrieben haben. Der mit archäologischen Kelterfunden vertraute und zu diesem Thema ausgewiesene Wissenschaftler appelliert auch aufgrund der Erfahrungen mit dieser Fundstätte, dass bei zukünftigen Grabungen im Bereich römischer Landvillen sensibler auf weinhistorische Relikte geachtet wird.

In einem ausführlichen Interview (s. www.geschichte-des-weines.de/Roemer-Weinkelter-Nahe.pdf) beschreibt Matheus die wissenschaftlichen Methoden, die zur Identifizierung der römischen Kelteranlage eingesetzt wurden. Im Vergleich zu den Ausgrabungen an der Mosel in den 1970er Jahren stehen heute modernste archäobotanische, -chemische und materialwissenschaftliche Analysen zur Verfügung. Diese ermöglichen nicht nur eine präzise zeitliche Einordnung, sondern auch die Bestimmung des Verwendungszwecks von Materialien, wie beispielsweise Estrichen in Behältern. Auf dieser Grundlage konnte nachgewiesen werden, dass es sich in Odernheim um eine römische Weinkelteranlage handelt.

Die weinkulturgeschichtlichen Konsequenzen und Chancen, die sich aus diesem Fund ergeben, sind besonders spannend für die Weinbranche und Weinkulturinteressierte. Es deutet vieles darauf hin, dass die Ausbreitung des Weinbaus in den deutschen Weinbaugebieten anders verlief als bisher angenommen. Für die Weinregion an Nahe und Glan, die direkt an Rheinhessen grenzt und historisch zur Nordpfalz zählte, könnte dieser archäologische Weinkelterfund zu einem bedeutenden weintouristischen „Pfund“ werden, wenn die überraschend entdeckte Chance erkannt und genutzt wird.

Das ganze Interview finden Sie hier: www.geschichte-des-weines.de/Roemer-Weinkelter-Nahe.pdf