Brauereien und Bierkonsum im Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz (20. Jahrhundert)

Geschäftsbericht der Königsbacher Brauerei zum Betriebsjahr 1927/28, Wirtschaftsarchiv der Universität zu Köln

In der Studie werden die Entwicklung rheinland-pfälzischer Brauereien, der Bierkonsum sowie die lokale Identifkation mit den dazugehörigen Unternehmen im 20. Jahrhundert untersucht. Der Fokus liegt auf Aktienbrauereien, da diese regelmäßig Geschäftsberichte veröffentlichen mussten, die häufig noch überliefert sind.

Rheinland-Pfalz vermarktet sich als Weinland und wird auch als solches wahrgenommen. Bei über 60 Prozent der deutschen Rebfläche und über 70 Prozent der Ernte überrascht das nicht. Aber auch der Anbau von Braugerste und die Herstellung von Bier spielt hier traditionell eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Zudem wird im Land eine nicht unbedeutende Menge von Bier konsumiert – mit großen regionalen Unterschieden.

Projektmitarbeiter:innen

Dr. Ute Engelen

Braugerste wird seit vielen Jahrzehnten in rheinland-pfälzischen Gebieten, insbesondere der Pfalz und Rheinhessen, kultiviert. Im Jahr 1960 wurden in Rheinland-Pfalz auf 71.190 Hektar (ha) Sommergerste, die vorwiegend zur Malzherstellung genutzt wird, angebaut. Das waren etwa 8,5 % der hierfür genutzten Fläche in der Bundesrepublik.

In Rheinland-Pfalz bestehen bis heute Brauereien und Mälzereien mit einem nicht zu vernachlässigenden Volumen. So war die nach einem Ort in der Eifel benannte Marke Bitburger im Jahr 2024 mit 3,67 Mio. hl hergestelltem Bier – über vier Fünftel der Produktion in beiden Bundesländern – die zweitgrößte in Deutschland, und die dazugehörige Braugruppe belegte gemessen am Bierabsatz 2023 deutschlandweit den fünften Platz. Das Unternehmen selbst bezeichnet sich als „Fassbiermarke Nummer eins“ und „eine der größten Privatbrauereien Deutschlands“.

Es gibt noch viele weitere Brauereien am Markt. Brauereien aus den statistisch zusammen erhobenen Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland zeichneten 2024 für 5,6% der deutschen Biererzeugung verantwortlich. Aufgrund der marktbeherrschenden Stellung von Bitburger geben die Statistiken zu den Größenklassen der Betriebe allerdings nur wenig Informationen. Nur so viel zeigt die Statistik: Brauereien mit einer Größe von bis zu 3.000 hl im Jahr tragen in den beiden Ländern weniger als ein Hunderstel zur Biermenge bei, während allein die Marke Bitburger knapp vier Fünftel des Bieres beisteuert. Damit verbleiben 20% für die mittleren Brauereien zwischen 3.000 und 500.000 hl, wie Park-Bellheimer, Hachenburger, Kirner oder Lahnsteiner.

Rheinland-Pfalz gilt auch als „bedeutendes Zentrum der deutschen Malzindustrie.“ So wird immer noch landesweit, nämlich im Naheland, in Koblenz, im rheinhessischen Wallertheim und Worms sowie in der Pfalz in Kirchheim-Bolanden, Bischheim und Kreimbach-Kaulbach Gerste zu Malz verarbeitet.

Rheinland-Pfälzer gelten als sehr heimatverbunden, was sich in der Regel auf ihren Wohnort und ihre Region, aber nicht auf das gesamte Bundesland bezieht. Dass die Verbindung von Bier mit lokalen oder regionalen Namen und Rohstoffen generell zu einem erfolgreichen Absatz beitragen kann, zeigt die Gründung von zahlreichen Klein- oder Mikrobrauereien seit den späten 1980er Jahren. Bundesweit erhöhte sich die Zahl der Brauereien von 1.281 im Jahr 2005 bis 2019 auf über 1.552. Seit der Corona-Pandemie kam es allerdings zu einem leichten Rückgang auf 1.459 im Jahr 2024. Von den Brauereien lassen sich 808 (2005) bzw. 1.126 (2019) und 1.076 (2024) als Kleinstbrauereien mit einem Ausstoß von bis zu 5.000 Hektolitern im Jahr einstufen; weniger als 10% von ihnen stellen jährlich über 3.000 hl Bier her. An diesem Trend hat Rheinland-Pfalz überdurchschnittlich partizipiert.

Von dem in Rheinland-Pfalz hergestellten Wein wird auch ein Teil im Bundesland konsumiert. So wurde laut Erhebungen von Nilsen in den Jahren 2015/16 deutschlandweit am meisten Wein in der Region Rheinhessen-Pfalz mit 9,3 Liter (l) pro Kopf gekauft, in Koblenz-Trier waren es 5 l. Am wenigsten Wein bezogen die Menschen im nordrhein-westfälischen Kreis Arnsberg mit 4,4 l. Gleichzeitig wurden aber in Rheinhessen-Pfalz auch etwa 55 l Bier und -mixgetränke konsumiert, in Koblenz-Trier waren es sogar 66 l. Der deutschlandweit niedrigste Konsum wurde in Hamburg mit 35 l, der höchste in Chemnitz mit 132 l verbucht. Alkoholfreie Biergetränke wie Fassbrause machten 2016 in Rheinland-Pfalz und dem Saarland im Jahr 2016 etwa 5,6% des volumenmäßigen Bierabsatzes aus. Das heißt, Rheinland-Pfalz kann ebenso Bierland bezeichnet werden (vgl. die Broschüre Bierland Rheinland-Pfalz, hg. vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, Mainz 2009, https://www.edoweb-rlp.de/resource/edoweb%3A3764806).